Im Labyrinth - Aufbruch zur Mitte


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Die Geschichte des Labyrinths ist so lang und seltsam wie sein verschlungener Weg.
Das Ziel ist die Suche nach der geheimnisvollen Mitte. Überraschend ist, dass das Labyrinth ursprünglich immer nur einen Weg zur Mitte hatte ohne Abzweigung und Sackgasse. Trotzdem war der Weg zur Mitte und wieder heraus schwierig genug. Es findet ihn nur der, der ihn auch geht.
Erst spät im 15. Jahrhundert entsteht aus dem Labyrinth der Irrgarten, mit seinen hohen Hecken und vielen Irrwegen.

Chartres

Das Labyrinth in der Kathedrale von Chartres

Der Ursprung des Labyrinths, der mindestens soweit zurückliegt, wie der Beginn dokumentierter Geschichte, offenbart eine tiefe Bedeutung, die in einer Vielzahl von Kulturen Fuß gefasst hat und etwas vom ursprünglichen Wesen unseres Daseins in dieser Welt umfasst.
Das Labyrinth fasziniert und erfreut, es weckt Ängste und Neugier, es ist unergründlich und einfach, es verwirrt und kommt dennoch unserem Bedürfnis entgegen, Ordnung in das Chaos zu bringen.

Wer sich mit den alten Spuren des Labyrinths in der Geschichte befasst, stößt dabei auf eine Überraschung nach der anderen.
Warum findet man das selbe Symbol eingelegt in den Boden gotischer Kathedralen genauso wie aus dem Rasen englischer Dorfplätze gestochen, mit Steinen aufgelegt auf einsamen Inseln im nördlichen Eismeer oder in den Bergen Mexikos und der Hochebene von Nasca, gezeichnet in alten Klosterhandschriften oder indonesischen Baumrindenbüchern. Warum galt es als Gefängnis des Minotauros und in der gleichen Erzählung auch als Tanzplatz von Theseus und Ariadne? Wer hat es zu welchem Grund in Felsen oder Ton überall in der Welt geritzt, und warum wurde es in einem großen Umzug beim Begräbnis der römischen Kaiserin Drusilla genauso wie bei der Stadtgründungsfeier von Konstantinopel begangen? Warum fasziniert das Labyrinth Kinder und Greise, Männer und Frauen, Reiche und Arme gleichermaßen? Warum gab es den Lauf durch das Labyrinth bis in das letzte Jahrhundert in Deutschland als Kinderspiel unter dem Namen "Reise nach Jericho" ebenso wie als Tanz bei großen Tanzfesten verschiedener Handwerkszünfte?

Nie lässt sich das Labyrinth bis ins Letzte erklären, immer bleibt ein merkwürdiger, undurchdringlicher Rest, ein Geheimnis. Seine Spuren in der Geschichte, seine Verwendung in den Kulturen lassen zwar manches erkennen, deuten und verstehen, aber viele Fragen bleiben übrig. Sie drängen sich auf, sie wecken die Neugier, und ein wenig Wehmut über das, was scheinbar endgültig verlorengegangen ist, in den Tausenden Jahren seiner Geschichte.

Steinlabyrinth Damme

Steinlabyrinth entstanden 2004 in Damme

Das Labyrinth weckt aber auch Lust es wiederzufinden. Es neu zum Gebrauch zu erwecken, es wieder einzubauen in Geschichten, Spiele und Tänze, die das Leben spiegeln. Es weckt Lust die kosmischen Wahrheiten zu spüren, die sich in diesen scheinbar so einfachen Linien verbergen.
Fast unbemerkt wurden in Europa in den letzten 20 Jahren über 200 Labyrinthplätze neu erbaut und wiederum in derselben Weise in Gebrauch genommen wie schon in den letzten 5000 Jahren.