Geschichte des Labyrinths


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Das Labyrinth gehört zu den ältesten symbolischen Zeichen der Menschheit. Seit Jahrtausenden wird es in Felsen oder Ton geritzt, in alte Handschriften gezeichnet, auf Keramiken gemalt, oder mit Steinen am Boden ausgelegt.
In bestimmten Kulturen war das Labyrinth jahrhundertlang in Gebrauch, manchmal ist die Geschichte seiner Verwendung nur kurz.
In den letzten Jahren kam es zu einer neuen Blüte des Labyrinths und an verschiedensten Orten auf der Welt werden derzeit neue Labyrinthe, gezeichnet, gebaut und verwendet. Auch diese Blüte wird vergehen, aber sie wird wieder neue Spuren hinterlassen in der vieltausendjährigen Geschichte des Labyrinths.

Inhalt:

syrische Tonscherbe

syrische Tonscherbe

Was ist ein Labyrinth?
Der Ursprung des Labyrinths
Das Labyrinth ist weit verbreitet
Die Reise um die Welt
Römische Mosaike
Das Labyrinth im Christentum
Rasenlabyrinthe
Gartenlabyrinthe
Labyrinthe heute

Was ist ein Labyrinth?

Das ursprüngliche Labyrinth hat im wesentlichen immer die gleiche Form. Von einem Kreuz ausgehend, werden anfangs sieben, später mehr Kreise gezogen, die einen verschlungenen Weg bilden. Dieser Weg hat keine Abzweigungen, keine Sackgassen und keine Irrwege. Er führt hin und her, biegt immer wieder nach innen und nach außen ab und führt schließlich zur Mitte. Dort ist der Ort der Umkehr, und es führt der gleiche Weg wieder nach außen zurück. Der Weg des Labyrinths symbolisiert den schwierigen und verschlungenen Lebensweg des Menschen.

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Der Ursprung des Labyrinths

Das Labyrinth entstand im Mittelmeerraum. Das älteste Labyrinth fand man bei Ausgrabungen eines Palastes in Pylos in Griechenland. Dieser war vor 3200 Jahren abgebrannt. Dadurch wurden die im Palast befindlichen Tontäfelchen gehärtet. Auf einer dieser Tafeln war ein Labyrinth eingeritzt.
Im ganzen Mittelmeerraum gibt es viele Felsritzungen von Labyrinthen, die auch noch älter sein könnten. Aber während man das Alter von Bränden sehr leicht feststellen kann, ist es bei Felsritzungen nahezu unmöglich.

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Das Labyrinth ist weit verbreitet

Das klassische Labyrinth hat sich über die ganze Welt verbreitet. Vom Mittelmeerraum aus gelangte es zu den seefahrenden Völkern des Nordens, vorbei an der spanischen Atlantikküste, nach England, nach Island, und nach ganz Skandinavien.
Auf seiner Reise bleibt das Labyrinth im wesentlichen unverändert. Manchmal wird das Design ein wenig variiert, manchmal wird ein zweiter Ausgang aus der Mitte angelegt, manchmal wird die Zahl der Umgänge verändert, aber selbst die Vorstellungen, die mit dem Labyrinth verknüpft werden, bleiben ähnlich. Es ist überraschend in wie vielen Kulturen und an welch unterschiedlichen Orten das Labyrinth gezeichnet und verwendet wurde.

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Die Reise um die Welt

In östlicher Richtung verbreitet sich das Labyrinth nach Persien, Afghanistan, Pakistan, Indien, Indonesien und Amerika. Wer sich mit den nordamerikanischen Labyrinthen befasst, gerät ins Staunen. Die Hopi, Navajo, Pima und Papagoindiander verwenden das klassische Labyrinth seit vielen hundert Jahren. Die Form und die Bedeutung, die die Indianer dem Labyrinth geben, ist ähnlich, wie in Indien. Es scheint offensichtlich, auch wenn diese Theorie noch nicht wirklich anerkannt ist, dass die Indianer das Labyrinth nicht selbst erfunden haben, sondern es lange vor Kolumbus zu ihnen über den Pazifik gekommen ist. Und zwar über Kontakte, die bis in den Mittelmeerraum reichten.

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Römische Mosaike

Zur Zeit der Römer waren griechische Heldensagen sehr beliebt. So wurde auch die Geschichte von Theseus oft erzählt und dargestellt und mit ihm das Labyrinth. Die Römer erfanden jedoch einen eigenen Labyrinthtyp, der mehr ihren ornamentalen Mustern entsprach. Das römische Labyrinth umkreist die Mitte in der Regel nicht in großen Bögen, sondern es wird immer erst ein Quadrant ganz durchschritten, bevor der Weg in den nächsten Quadranten weitergeht. Die Römer verwendeten das Labyrinth in erster Linie zur Dekoration ihrer Villen und Bäder. Mehrere prachtvolle Mosaike mit Labyrinthen haben sich erhalten.

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Labyrinth Ravenna

Labyrinth in San Vitale / Ravenna

Das Labyrinth im Christentum

Das Christentum hat das Labyrinth schon früh in seinen Symbolschatz aufgenommen. In alten Handschriften gibt es immer wieder Labyrinthdarstellungen. Zuerst wurde der klassische Typ verwendet, aber mit der Zeit wurde das Labyrinth verändert. Es entstand das Otfriedlabyrinth und dann das gotische Labyrinth. In der Gotik erlebte das Labyrinth eine Blütezeit. In vielen gotischen Kathedralen wurde ein Labyrinth eingebaut. Eines der bekanntesten davon ist in der Kathedrale von Chartres.

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Rasenlabyrinthe

In England entwickelte sich eine eigene Tradition. Die Labyrinthe wurden neben den Kirchen aus dem Rasen gestochen. Etwa 30 Rasenlabyrinthe sind in England dokumentiert, sieben existieren bis heute. Auch in Deutschland gibt es Rasenlabyrinthe. Einst waren es an die hundert, heute sind noch drei erhalten: in Hannover, Steigra und Graitschen. Während die englischen Rasenlabyrinthe in der Regel die gotische Form haben, sind die deutschen fast immer klassischen Typs. Allerdings oft mit einer Besonderheit. In den meisten deutschen Labyrinthen stößt man in der Mitte nicht an, sondern es gibt einen zweiten Weg heraus.
Das ist vor allem für Prozessionen praktisch, den man muss nicht den gleichen Weg zurück, sondern kann "in einem Zug" durch das Labyrinth gehen. Diese Labyrinthart gibt es auch bei einigen Steinlabyrinthen in Skandinavien.

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Gartenlabyrinthe

Erst in der Renaissance wurden Labyrinthe entworfen und gebaut, so wie sich viele ein Labyrinth aufs erste vorstellen: Ein Heckenirrgarten mit vielen Sackgassen und einer schwer zu findenden Mitte. Manche Fürsten hatten zuerst Labyrinthe in der Form der französischen Kirchenlabyrinthe in ihre Gärten gepflanzt. Aber bald ging die ursprüngliche Form verloren und als Spiel- und Liebesgärten entstanden vielfältigste Irrgartenformen.

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Labyrinthe heute

Heute werden überall in der Welt wieder neue Labyrinthe und Irrgärten gebaut. Manchmal greift man dabei auf alte Vorlagen zurück, oft wird aber auch versucht, neue Formen zu entwickeln. Labyrinthe entstehen in Gärten, Kirchen, auf Spiel- und Stadtplätzen und erfreuen sich großer Beliebtheit. Allein in Österreich wurden in den letzten Jahren über 30 neue Labyrinthplätze errichtet.

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